Geschichte & Konzeption

Erfahren Sie mehr über die FaFDi und über mehr als 50 Jahre Erfahrung.

Biblischer Bezugspunkt

Meine Brüder und Schwestern, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.

Jak 2, 14 - 18

Geschichte

1964 begannen die ersten jungen Frauen ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bistum Limburg. Hierzu wurde die Arbeitsstelle für Freiwillige Soziale Dienste im Bistum Limburg gegründet.

1979 nahm die Arbeitsstelle für Zivildienstleistende der Diözese Limburg ihre Arbeit auf. Die Trägerschaft übernahmen in Kooperation das Bistum Limburg, Dezernat Jugend und der Diözesancaritasverband Limburg.

1991 reiste der erste junge Erwachsene zu einem Internationalen Freiwilligendienst nach Brasilien aus und seit 2002 wurden beide Arbeitsstellen unter dem Namen Arbeitsstelle Soziale Dienste im Bistum zusammengeführt.

2003 bis 2011 hatten Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit, einen Kurzzeit-Freiwilligendienst (3-6 Monate) im Bistum Limburg abzuleisten.

2011 endete der Zivildienst und der Bundesfreiwilligendienst für Jugendliche und junge Erwachsene sowie für Freiwillige 27+ kam hinzu. Das Bistum Limburg, Dezernat Kinder, Jugend und Famile und der Diözesancaritasverband Limburg schlossen eine neue Kooperationsvereinbarung ab, von nun an übergreifend für alle Dienstformen.

2012 im September änderte die Arbeitsstelle Soziale Dienste ihren Namen in Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg.

2013 Start der Exchange-Dienste, Freiwillige aus den Partner-Diözesen leisten einen Dienst im Bistum Limburg.

Derzeit leisten jährlich über 400 vorwiegend junge Menschen einen Freiwilligendienst im Bistum Limburg und seiner Caritas.

Damit blickt die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg auf 50 Jahre Erfahrung im Freiwilligendienst, über 30 Jahre in Internationalen Freiwilligendiensten und auf über 30 Jahre im Zivildienst zurück.

Mit der Fachstelle Freiwilligendienste gibt es eine Fachstelle im Bistum Limburg, die alle sozialen Lerndienste für Jugendliche und junge Erwachsene aus „einer Hand“ organisiert, durchführt und begleitet. Dieser Bereich „diakonische Jugendarbeit“ wurde über die Jahr immer weiter intensiviert und optimiert.

Auftrag

Die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg ist eine Einrichtung in gemeinsamer Trägerschaft des Bistums Limburg, Dezernat Kinder, Jugend und Familie, und des Caritasverbandes für die Diözese Limburg e.V.

Sie bietet unterschiedliche Angebote für Jugendliche und Erwachsene in den Bereichen der Freiwilligendienste in sozialen und pastoralen Einrichtungen an und gewährleistet die fachliche und persönliche Begleitung der Arbeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Dies geschieht, damit sich bei den Jugendlichen und Erwachsenen eine Motivation entwickeln kann, das Leben am Weg Jesu zu orientieren.

Darüber hinaus ist ihr Auftrag, neue und vielfältige Formen von Sozialen Lerndiensten zu entwickeln, die geeignete soziale und pastorale Lernfelder für eine "diakonische Jugendarbeit" und eine "Kultur des Sozialen" bieten. Hierfür werden relevante und aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Erkenntnisse und Entwicklungen berücksichtigt und in die Arbeit einbezogen.

Die formalen Grundlagen der Arbeit sind

  • der pastorale Auftrag des Dezernates Kinder, Jugend und Familie - Bischöfliches Ordinariat Limburg,
  • das Jugendfreiwilligendienstegesetz und das Gesetz über den Bundesfreiwilligendienst, sowie
  • die Förderrichtlinien der Zuschussgeber.

Adressat*innen & Angebote

Die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg bietet unterschiedliche soziale Lerndienste an.

Junge Menschen von 16 bis 27 Jahren (bzw. Absolvierung der Vollzeitschulpflicht) können dabei aus Freiwilligendiensten in Vollzeitbeschäftigung von 6 bis maximal 18 Monaten in kirchlichen Einrichtungen und bei Kooperationspartnern auswählen. Sie arbeiten z. B. in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Altenheimen, Kindertagesstätten, Jugendkirchen, Katholischen Fachstellen für Jugendarbeit, Pfarreien oder mit Geflüchteten. In den Einrichtungen können sie Erfahrungen für sich und mit anderen machen. In begründeten Ausnahmefällen kann der Dienst in Teilzeit geleistet werden.

Menschen ab 27 Jahren leisten íhren Dienst in den gleichen Einrichtungen, wahlweise in Voll- oder Teilzeit.

Die Angebote erschließen soziale und pastorale Arbeitsfelder und eröffnen persönliche Wachstumschancen als auch Lernräume. In diesem Sinne sind die Angebote soziale Lerndienste.

Für junge Menschen wird der Dienst als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Internationaler Freiwilligendienst (IFD) angeboten. Für Ältere als BFD 27+.

Neben diesen etablierten sozialen Lerndiensten bietet die Fachstelle Freiwilligendienste bis zu sechs jungen Menschen aus den Partnerbistümern einen Freiwilligendienst im Bistum Limburg an - Exchange-Dienste. 

Die Angebote umfassen jeweils die qualifizierte Beratung, die Auswahl und die Zuordnung auf eine Einsatzstelle, die pädagogische und pastorale Begleitung, sowie bei den Internationalen Freiwilligendiensten die Vor- und Nachbereitung.

Die Freiwilligen erhalten für ihre sozialen Dienste ein den Aufgaben entsprechendes Taschengeld plus Verpflegungsgeld, das sich je nach Dienstart unterschiedlich gestaltet. Zudem erhalten alle Freiwilligen zur Bestätigung ihres Freiwilligendienstes ein Zertifikat.

Ziel der Arbeit

Mit ihren Angeboten bietet die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg jungen Menschen die Möglichkeit, ihre je eigene Berufung bzw. Identität zu finden und zu verwirklichen. Dabei wird aus den christlichen Quellen heraus identitätsstiftende Begegnung und Kommunikation ermöglicht, damit eine positive Persönlichkeitsentwicklung erfolgen kann, ein gesteigertes Interesse an religiösen, politischen und interkulturellen Themen, eine Sensibilisierung für Geschlechtergerechtigkeit sowie ein positives Bild von katholischer Kirche entsteht.

Die angebotenen sozialen Lern- und Erfahrungsräume ermöglichen sinnvolles zeitbegrenztes soziales Engagement und Spaß. Durch die Angebote wird die Weiterentwicklung der christlichen Identität junger Menschen unter den Lebensbedingungen der Moderne und Postmoderne gefördert.

Durch die Engagementbereitschaft der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie der Einrichtungen wird die Solidarität in der Gesellschaft gefördert, Verantwortung von Einzelnen zunehmend übernommen sowie für das Miteinander zwischen den Generationen sensibilisiert.

Durch die Freiwilligendienste wird das hauptamtliche Personal der Einsatzstellen entlastet und die Qualität der Arbeit durch die Mitarbeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesteigert.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird Interesse an sozialen und pastoralen Berufen geweckt und es werden dadurch potentielle Mitarbeiter*innen gewonnen.

Pädagogische und pastorale Begleitung

Damit die sozialen Kompetenzen der Freiwilligen ausgebildet und weiterentwickelt werden können, gewährleistet die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg eine pädagogisch-pastorale Begleitung, eine Reflexion der konkreten Erfahrungen und Erlebnisse in der Einsatzstelle sowie weiterführende fachliche Angebote.

Soziales Lernen wird vor allem durch Gruppenerfahrungen angeregt. Gruppen bieten die Chance zu einem gleichzeitigen sozialen, ethischen und sachbezogenen Lernen. Deshalb ist die Begleitung der Freiwilligen in Gruppen organisiert.

Je nach sozialem Lerndienst gibt es verschiedene Begleitmodelle und –module, die zum Teil verpflichtend sind, zum Teil frei gewählt werden können. Dem liegen verschiedene gesetzliche und verbandliche Regelungen, Qualitätskennzeichen und -standards sowie –vereinbarungen zugrunde, die Beachtung finden.
 
Allen Begleitangeboten gemeinsam ist die                                                

Entwicklung der personalen und sozialen Kompetenzen

Freiwillige  sammeln soziale Erfahrungen. Dabei lernen sie mit sich selbst und anderen Menschen situationsangemessen umzugehen. Dies umfasst einerseits Aspekte der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung, andererseits Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen. Die dabei gemachten Erfahrungen und entwickelten Kompetenzen sind sowohl für Tätigkeiten im sozialen und pastoralen Bereich als auch für den persönlichen Alltag und späteren Beruf vorteilhaft.  

Religiöse Bildung

Die Begleitung von Freiwilligen ist geprägt durch religiöse Bildung. Religiöse Bildung beinhaltet sowohl kognitive als auch erfahrungsbezogene Angebote. Menschen werden religiöse Erfahrungen ermöglicht und diese Erfahrungen im Horizont des Evangeliums gedeutet und reflektiert. Durch die Angebote religiöser Bildung werden den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Welt- und Lebenserfahrung sowie ihre Spiritualität auf Evangelium und Glauben hin durchsichtig und griffig.                                 

Interkulturelle Bildung

Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft in kultureller, sprachlicher und sozialer Hinsicht sowie die Globalisierung erleben die Freiwilligen in ihrem Alltag. Deshalb legt die Begleitarbeit bei den Kursen Wert auf die Vermittlung interkultureller Erfahrungen und Kompetenzen als auch auf die Überprüfung der eigenen Werte und der eigenen Weltanschauung.                                           

Politische Bildung

Politische Bildung ist ein Prozess, der teils bewusst, teils unbewusst in allen organisierten Bereichen von Erziehung und Bildung stattfindet. Mit politischer Bildung vermittelt die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg den Freiwilligen Kenntnis von Geschichte, Institutionen und Strukturen der Gesellschaft, in der sie leben und darüber hinaus.

Ausgehend von einem christlichen Menschenbild setzen die Leiter*innen der Kurse unterschiedliche Methoden ein. Entscheidend bei der Auswahl einer Methode sind das Kursziel, die Gruppensituation und die Teilnehmenden. Die Arbeit geschieht aus einer christlichen Grundhaltung, die sich auszeichnet durch Empathie, Wertschätzung und Echtheit, die die Teilnehmenden ernst nimmt und ihnen etwas zutraut. Die ökologische Verträglichkeit wird berücksichtigt.

Folgende Methoden bzw. Ansätze sind Bestandteil der Begleitangebote:        

Themenzentrierte Interaktion

Die von Ruth Cohn entwickelte Themenzentrierte Interaktion ist ein Gruppenkonzept, das auf aktives, schöpferisches und entdeckendes, emotionales und kognitives Lernen und Arbeiten ausgerichtet ist. Dies wird in der Begleitarbeit berücksichtigt. Die Besonderheit der Themenzentrierten Interaktion ist, dass sie gleichzeitig die Person (Ich), die Gruppe (Wir) und die Themenbearbeitung (Es) im Blick hat und den Einfluss der Umwelt (Globe) berücksichtigt.                                                                                                                                                                                     

Teilnehmerorientierte Gruppenleitung

In der Arbeit mit Gruppen ist es wichtig, auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Teilnehmenden zu reagieren. Das verlangt eine intensive Vorbereitung und die Bereitschaft, das geplante Programm, soweit es mit dem Kursthema in Einklang ist, anzupassen. Dafür ist ein Klima des Vertrauens Voraussetzung, in welchem die Reflexion des eigenen Verhaltens, der Beziehungen zu einzelnen Gruppenmitgliedern und des Gruppengeschehens ausreichend Raum haben.  

Ganzheitliche Bildungsangebote

Die Effektivität von Bildung hängt wesentlich davon ab, wie viele Sinne angesprochen werden. Das Erleben von Situationen ermöglicht ein intensives Lernen mit Spaß, das Körper, Geist und Seele – Kopf, Herz und Hand anspricht. Wichtig sind in diesem Zusammenhang entsprechende spirituelle Angebote.                                                                                                                            

Gender Mainstream

Wesentlich zum Menschsein gehört das eigene Geschlecht. Gender Mainstream ist Querschnittsthema in den Kursen.                                                                                                                                                                

Erlebnispädagogik

Wachstumsorientierung, Ganzheitlichkeit und Selbstorganisation sind Prinzipien der Erlebnispädagogik. Im Zusammenspiel mit anderen werden die eigenen Stärken bewusst und die Teilnehmenden lernen, sie einzusetzen. In Übungen mit hohem Aufforderungscharakter organisieren sich Gruppen und lösen Probleme gemeinsam.                                                                                                                  

Einzel- / und Gruppenberatung

Grundsatz der Beratungsarbeit ist, dass der/die zu Beratende am besten weiß, was für ihn/sie gut ist. Deshalb ist Beratung so ausgerichtet, dass sie hilft, zu eigenen Lösungsmöglichkeiten zu kommen und Probleme selber zu lösen.

Hauptamtliche Mitarbeiter*innen & Honorarkräfte

Die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg gewährleistet ihr pädagogisches Angebot durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen und Honorarkräfte mit fachspezifischer Ausbildung. Alle bringen Erfahrungen in der Leitung von Gruppen mit und bilden sich durch Fortbildungen und Studientage weiter, die von der Fachstelle Freiwilligendienste angeboten werden.   

Die Mitarbeiter*innen und Honorarkräfte schaffen die Bedingungen in den verschiedenen Begleitmodellen, dass das Ineinander von personalem, sozialem, ethischem und fachlichem Lernen möglich ist. Dafür haben sie Kompetenzen für die Gruppenprozesse wie auch für die methodische und sachbezogene Arbeit.

Kooperationspartner*innen

Kirchliche Einrichtungen eignen sich in besonderem Maße als Lernfelder für die personale und soziale Kompetenzentwicklung, weil hier Lernen im realen Leben stattfindet, auf ganzheitliche Weise geschieht und exemplarischen Charakter auf andere Lebenswelten hat.
Die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg kooperiert mit sozialen und pastoralen Einrichtungen und Institutionen.

Die Angebote der Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg (Träger) sind in einem Dreiecksverhältnisses zwischen Träger, dem kirchlichen Einsatzfeld (Einsatzstelle) und dem/der Freiwilligen eingebettet. Dieses Verhältnis  kennzeichnet auch die unentbehrliche Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern wie den Dienststellenleiter*innen sowie den pädagogischen und fachlichen Anleiter*innen in den Einsatzstellen.

Die Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg stellt Verbindungen zwischen den verschiedenen Partnern her und vermittelt Kontakte, berät kirchliche Einrichtungen, vermittelt bei Konflikten, erstellt Arbeitshilfen und stellt diese zu Verfügung. Zudem macht sie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligendienste.

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